Wie schon bei Island, hier noch ein Abschluss-Eintrag mit Beobachtungen und Gedanken zum Taiwan-Aufenthalt, die sonst nirgendwo Platz hatten.

Taipei – grüne Stadt
Eine Sache die mir in meiner Zeit in Taipei bisher besonders aufgefallen ist, ist wie unglaublich grün die Stadt stellenweise ist. Das warm-feuchte Klima lässt alle möglichen Pflanzen wachsen lyraina_taiwan_109und gedeihen, dazu kommt, dass die Menschen hier gerne gärtnern, wenn nicht im Boden dann doch wenigsten in Blumentöpfen und Eimern, vor dem Haus oder auf dem Balkon. Alles rankt und wächst und grünt und sprießt, manchmal gibts auch kleine Fische in Eimern und Töpfen am Straßenrand. Bäume dürfen wachsen und wachsen und wachsen, auch wenn sie den Bürgersteig blockieren, und geben der Stadt stellenweise ein Regenwald-Flair. Manche Blätter sind riesengroß, und manche Bäume tragen sogar Früchte. Nicht nur schafft das ein sehr schönes Stadtbild, sondern es hilft auch mit dem Stadtklima und kühlt im Sommer spürbar ab (erklärte mir Flower Lady Senior, die mich Blumentöpfe fotografieren sah). Viele Bäume haben übrigens eine Namensplakette mit QR code, so dass man sich schnell und einfach schlau machen kann welchen Baum man vor sich hat.
Baustellen in Taipei müssen im übrigens ihre Außenwände mit „Grünzeug“ behängen, so läuft man anstatt an einem Bauzaun an einer meist nahtlos mit grünen Blumentöpfchen bepflanzten Wand vorbei. Cool!

2 Fußminuten von zu Hause.

2 Fußminuten von zu Hause.

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Wohngebiet.

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Straßenbegrünung.

Scooters
Mit Bus und Zug kommt man in Taipei und (weitläufiger) Umgebung sehr komfortabel und zuverlässig ans Ziel – und auch noch günstig, mit 15NT$ (50 Cent) pro Fahrt (bzw 30NT$ wenn man sehr weit innerhalb der Stadt fährt).

Scooter vorm Tempel.

Scooter vorm Tempel.

Trotzdem ist ein eigenes Fahrgerät aber manchmal praktisch und auch oft schneller, und so hat hier (gefühlt) jeder einen Scooter (Motorroller) – günstig, reparierbar, und klein genug für den Stadtgebrauch, was Parken einfacher macht. Die sieht man daher auch wirklich überall: Kaum eine Gasse – oder Marktgasse! – ist eng oder überfüllt genug, um nicht noch mit dem Scooter reinzufahren – stellt euch einen engen Jahrmarkt vor, mit Menschen überall, und trotzdem navigieren einige das dann noch mit Scooter. Bis zu drei Leute habe ich auf Scootern gesehen – ein Fahrer, einer hinter dem Fahrer, und ein Kind oder Hund passt dann noch zwischen die Beine. Zumindest auf den mittelgroßen Straßen tragen (fast?) alle löblicherweise auch Helme!
Die vielen Scooters führen auch zu einem gewissen Lärmpegel, oder zumindest hört sich die Stadt „anders“ an als andere – für mich als Dorf-Ei natürlich schwer zu vergleichen, aber ich war öfter in Situationen wo ich die Stadt einfach als unglaublich laut und hektisch empfand. Zusammen mit der schlechte Isolierung unserer Fenster war das am Anfang (zum Schlafen) selbst im 6. Stock doch sehr gewöhnungsbedürftig. Dies kann sich aber auch sehr schnell ändern sobald man nur ein oder zwei Straßen weitergeht und sich von den großen Hauptstraßen entfernt – dort ist es dann gleich viel ruhiger mit weniger Bussen und knatternden Scootern.

Häuserfront.

Häuserfront.

Zu Fuß unterwegs…
Als Fußgänger war ich oft ein wenig in Bedrängnis: Gehsteige sind nicht zum Gehen da. Sie sind zum Markt aufbauen da, wenn nicht gleich ein Markt, dann doch zumindest Waren/Gemüse, oder ein kleiner Essenswagen. Alternativ sind sie ein Parkplatz für Scooter. Oder eine Straße für Scooter. Wenn nicht blockiert durch parkende Scooter, dann durch riesige Bäume… also läuft man manchmal eben auf der Straße. Zebrastreifen sind zwar zum Straße überqueren da, aber man sollte besser nicht drauf warten dass jemand anhält – bestenfalls rollen die Autos… ich glaube mit meinen zögerlichen Versuchen, Straßen (ohne Ampel) zu überqueren habe ich so einige Fahrer verärgert und andere amüsiert. Natürlich ist dieser Paragraph etwas übertrieben, es gibt (je nach Straße und Distrikt) natürlich auch große, luxuriöse oder einfach normale Gehsteige. Aber den Verkehr hier sicher navigieren (und die unausgesprochenen Regeln) muss ich definitiv erst noch lernen! Dafür haben viele der Ampeln hier eine Anzeige, wie lange sie noch grün bzw. rot sind. Das ist sehr praktisch, so weiß man wenigstens man man (nicht) rennen muss…

Zentrale Wohngegend... Seitenstraße.

Zentrale Wohngegend… Seitenstraße.

Service & Freundlichkeit

Die Leute hier sind im Allgemeinen sehr freundlich und der Service ist ungeschlagen. Natürlich kann ich hierbei nicht beurteilen inwieweit das beeinflusst wird durch die Tatsache, dass man mir mein „Ausländersein“ von weitem ansieht. Aber mehrfach haben uns freundliche Busfahrer usw. beim Ans-Ziel-Kommen geholfen und Hinweise über das Nötige hinaus gegeben. Im Restaurant sind die Bediensteten üblicherweise ausgesprochen aufmerksam, und dabei weniger aufdringlich als in Deutschland. Eine vergessene Bestellung im Café wurde vom Personal schneller entschuldigt und nachgeholt als sie von Y und mir überhaupt bemerkt wurde! Im vegetarischen All you can eat Restaurant kamen Bedienstete vorbei die über den Stuhl mit meiner Handtasche eine „Handtaschenjacke“ spannte – damit niemand in Versuchung geführt wird sollte ich meine Tasche unbeaufsichtigt lassen, aber auch damit sie von den Essensgerüchen geschützt ist.
Beim Einkaufen im Convenience Store gibts an der Kasse Strohhalm oder einen kleinen Löffel gratis dazu – je nachdem was man gerade kauft.

Dass das eine Baustelle ist habe ich erst auf Y's Hinweis verstanden!

Dass das eine Baustelle ist habe ich erst auf Y’s Hinweis verstanden!

Mülleimer und Toiletten

Den eigenen Müll, zB den Becher vom gerade ausgetrunkenen Bubble Tea loszuwerden ist in der Öffentlichkeit manchmal gar nicht so einfach. Einfach so herumstehende Mülleimer gibt es ziemlich selten, höchstens mal auf einem Nachtmarkt. Und das, obwohl die Stadt ausgesprochen sauber ist! Immer gut sind Busstellen und Convenient Stores: Bei beiden ist die Chance sehr groß Mülleimer anzutreffen (Recycle-Müll und Rest-Müll). Yay!
Ganz anders sieht’s mit Toiletten aus: Die gibt es eigentlich in jeder (U-)Bahn station, in den meisten Fällen auch schön, sauber und benutzbar, und manchmal sogar mit Blumenstöcken! (Wenn auch im Durchschnitt ein bisschen weniger high-tech als in Japan). Auch Tempel haben meist Toiletten für Besucher. Und für den Notfall zwischendurch gibt’s ja noch Convenient Stores, die in den meisten Fällen schon von außen anzeigen ob sie eine öffentliche Toilette anbieten.

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Tempel am Straßenrand, aus dem Busfenster fotografiert…

Convenience Stores

…sind in der tat sehr „convenient“ (praktisch)! Die Japan-Reise-Erfahrenen können den Absatz hier überspringen, aber für den Rest erkläre ich es mal ganz kurz: Convenience Stores sind kleine Supermärkte die 24/7 geöffnet sind, an fast jeder Straßenecke platziert sind und immer genau das bereitstellen, was man gerade braucht. Also zum Beispiel warme oder kalte Getränke, einen Snack oder

Tea Leaf Egg Station im Convenience Store.

Tea Leaf Egg Station im Convenience Store.

Salat, zum gleich essen oder mitnehmen, Sandwiches und Reisbällchen, diverse Backwaren zum „so essen“… natürlich auch eine Selektion an Schreibwaren, Bad- und Hygieneartikel (Tampons etc), Alkohol und Last-Minute Geschenke. Das Sortiment ist immer ein wenig anders, so zB wird ein Convenience Store im Hauptbahnhof eher Reise-Notwendigkeiten (Last Minute Tampon und Einlagen!) anbieten und wo anders gibt’s statt dessen mehr Schreibwaren (zB von der beliebten japanischen Marke Muji).
Weiterhin kann man noch andere Dinge erledigen, wie zB die Bus-Karte wieder aufladen, Gasrechnung oder Strafzettel bezahlen und vieles mehr. Was genau nun ein spezieller Laden gerade anbietet steht meistens außen dran, Zusatzangebote können Geld abheben (ATM) sein, Sitzgelegenheit zum Essen oder Arbeiten, eine öffentliche Toilette…
Immer gibt es auch eine heiße Theke: Dort kann man sich in Selbstbedienung gedämpfte „buns“ (gefüllte weiche Semmel) besorgen, Hotdogs, Frittiertes und natürlich die beliebten Tea Leaf Eggs (10 NT$ macht 30 Cent pro Ei). Letztere funktionieren bei kühleren Temperaturen übrigens vorzüglich als Handwärmer.
Glaubt man Wikipedia, hat Taiwan übrigens vielleicht sogar die höchste Dichte an Convenience Stores überhaupt (einer pro 2500 Anwohner). Ich übertreibe also nicht, dass man die Dinger echt alle paar Meter an jedem Straßeneck findet…

Essen
Das Verhältnis zum Essen hier ist noch viel enger, als ich es von anderen Kulturen kenne. Was bei uns mit Freunden „Trinken gehen“

Veggy "meat balls" in Jiufen Old Street.

Veggy „meat balls“ in Jiufen Old Street.

ist wird hier eher mit Essen gemacht, gerne zum Beispiel zum gemeinsamen Hotpot, eine Art Fondue-topf in den man allerlei frisches Essen hineinwirft oder -tunkt und dann mit diversen Dip-Saucen isst. Wie schon erwähnt ist das essen (so lange man nicht in ein nobles Restaurant geht) häufig sehr günstig, so bekommt man eine ganze Mahlzeit (oder zwei oder drei) zum Preis eines einzigen Starbucks-Kaffees. Auch Essen (oder Obst) zu anderen als Geschenk mitbringen scheint hier häufig zu sein, schenken im Allgemeinen ist kulturell hier viel verbreiteter, als ich es von zu Hause kenne. Demzufolge ist auch Dinge „Weiter-Schenken“ akzeptabel und verbreitet, eine Sache die ich irgendwo vorher zwar schon gelesen hatte, nun aber deutlich besser verstehen und nachvollziehen kann. Trotzdem ist hier kaum jemand übergewichtig, was vielleicht daran liegt dass die Portionen an sich häufig klein sind und man sich dafür zB mehrere Beilagen aussucht und/oder auch teilt. So muss man sich nicht mit einem riesigen Gericht vollstopfen sondern kann besser dosieren, wie viel man wirklich braucht bzw. essen möchte.
Außer natürlich man macht es wie ich und will alles probieren (und aufessen), inklusive süßer Snacks und frittierter Sachen – die legen dann auf Dauer doch zu…

 

Gut und Günstig für wenige Euro gibts Mittagessen...

Gut und Günstig für wenige Euro gibts Mittagessen…

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Eine sehr einladende Gasse (mittel-groß).

Balkone & Seitengassen

Zwei Sachen die mich – zu Y’s Vergnügen – während meines gesamten Aufenthaltes sehr fasziniert haben, sind die Balkone bzw. „balconettes“ hier (nicht der BH): Mehr oder weniger kleine bzw. große Balkone und Metallgitter in den verschiedensten Ausführungen die sich vor (meist) Fenster befinden und von Anwohnern für alles Mögliche genutzt werden: Stauraum, Wäsche trocknen, Blumentöpfe, … Häuser werden oft nicht direkt aneinander gebaut, sondern mit etwas Abstand – gerade genug zum Durchlaufen, einen Hinterausgang, Klimaanlagen-Ausgänge, Kabel, und manchmal besagte balconettes. Es gibt den oft alt und teilweise heruntergekommen aussehenden Häusern viel Charakter und Lebendigkeit, einen kleinen Einblick in die Geschichte dieses Gebäudes, Spuren von Zeit und Vergangenheit… und Gegenwart, denn viele Dinge dienen auch dem Hier und Jetzt. Umso stärker der Kontrast zu moderneren Häusern, oft massive Blöcke aus Beton, mehr oder weniger schön – aber auf jeden Fall weniger rätselhaft. Manche mögen diese Aspekte der Stadt als hässlich ansehen – Metallgitter,

Unwiderstehliche Seitengasse Teil 2.

Unwiderstehliche Seitengasse Teil 2.

Lüftungs-Ausgänge, Klimaanlage-Kästen, Wasserleitungen und Stromkabel, dunkel-fleckiger Beton und Wellblech-Abdeckungen – aber für mein Empfinden sind diese Dinge genauso schön wie ein Ausblick in die Natur, nur eben auf ganz andere Art und Weise. Die Menge an Details, Kleinigkeiten, die Diversität an Texturen und Formen, die sich am Ende doch zu einem Ganzen zusammenfügen…

~~~

Ich könnte noch viele, viele weitere Dinge über dieses wundervolle Land schreiben, aber für jetzt belasse ich es mal hierbei. Auf jeden Fall war es ein sehr inspirierender und toller Monat, der mich Taiwan ein ganz kleines bisschen kennen, und ein ganz großes bisschen lieben gelehrt hat. Ich will unbedingt wiederkommen, und dann hoffentlich – ohne verstauchten Fuß!!! – auch Gelegenheit haben mehr von der Natur kennenzulernen (zB die Taroko Gorge, die wir diesmal auslassen mussten) und auch den restlichen Teil dieser schönen Insel erkunden.

Danke an alle die mich bei dieser Reise unterstützt haben und meine Berichte gelesen & kommentiert haben!

I❤ Taiwan!!!

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Zum Abschluss meines Aufenthaltes in Taiwan kam Y’s Schwester noch zu Besuch: Wir beschlossen die Tatsache auszunutzen dass Y’s Fuß nun fast geheilt ist, so planten wir einen kleinen Trip in den lyraina_taiwan_104Yangmingshan Nationalpark, der direkt vor unserem Küchenfenster liegt. Per Bus dauert’s dann doch ein bisschen länger beim gewünschten Pfad ankommt, vor allem wenn man den Bus verpasst, aber letztendlich kamen wir dann doch beim Juansi Wasserfall Wanderweg an. Der Weg ist ein kurzer (2,6 km) und nicht sonderlich anstrengender Weg durch Wald und mit ein bisschen Berg-Blick zu einem hübschen Wasserfall und hat dann noch die Option zum weiterwandern. Den Umständen angemessen (Regen, Jetlag, Uhrzeit, Y’s Fuß) kehrten wir jedoch um und wanderten zurück, und besuchten zum “Abendessen” den Shilin Night Market (das war der erste Nachtmarkt, den ich hier besucht hatte, ganz am Anfang).
Am nächsten Tag besuchten wir noch ein weiteres mal Jiufen da Y’s Schwester dort noch nie war, und Abschluss-Abendessen im Dumpling-Haus mit gekochten und gedämpften Dumplings und einer lyraina_taiwan_105Auswahl an Beilagen – wie zum Beispiel das “Tausendjährige Ei”, ein ausgesprochen gut schmeckendes Ei, welches ausgesprochen schrecklich aussieht… üblicherweise mit Tofu gegessen, da der frische, zarte Tofugeschmack sehr gut zu dem cremigen, leicht salzigen Ei-Geschmack passt.

Und so endet ein viel zu kurzer Monat voller neuer Erfahrungen, Erlebnisse und Entdeckungen, ein wundervoller Monat mit Y, der mir für immer in Erinnerung bleiben wird…

100ß Jahre Ei

100 Jahre Ei

 

Jiufen, part 2

Jiufen, part 2

Unsere Zeit in Taiwan neigt sich (leider!!!!!!!!) dem Ende zu, also spät nachts schnell noch einen weiteren Daytrip geplant: Nördlich von Taipei (direkt vor unserem Küchenfenster)

Spaziergang durch ein kleines Dorf...

Spaziergang durch ein kleines Dorf…

liegt ein bergiger Nationalpark, und dann kommt die Nordküste: per Bus (und mit der Bus-Karte) kann man sowohl in die Berge, als auch die gesamte Küste entlangfahren. Letzteres war auch unser Plan: Erster Stopp für uns war in einem kleinen Dorf, an dessen Küste sich algengrün gefärbte Vulkanformationen im Wasser finden sollen. Die Vulkanformationen fanden wir auch, und noch dazu eine Infotafel die uns erklärte, dass man die Grünfärbung nur im Frühjahr/Sommer sehen kann…! Macht aber nichts, interessant war’s trotzdem, denn als Bonus gab’s noch sehr fotogene Ruinen am Strand nebenan. Auch das Dorf an sich war für uns interessant, teils sehr alt aussehende Häuser, kleine Gärtchen… wobei das mit dem “alt aussehen” oft trügt, durch das warm-feuchte Klima altern Materialien wie Beton und Metall hier viel schneller, und Pflanzen wachen besser, dh. ich kann nicht wirklich gut beurteilen wie alt oder verfallen etwas tatsächlich ist.

...führt zu nicht ganz so spektakulären Steinformationen...

…führt zu nicht ganz so spektakulären Steinformationen…

Aber zurück zur Küste… rein in den nächsten Bus, raus bei einem szenischen Bogen aus Gestein, den man mit Treppen besteigen kann um die Aussicht zu genießen. Das interessantere lag für uns aber zum zweiten mal in den Details, die wir nur durch Zufall entdeckten: Der Strand an dieser Stelle bestand komplett aus klein gemahlenen Muschelteilen, die aber als solche noch erkennbar waren! Das bedeutete für uns natürlich erstmal Muschel(chen) suchen: Vor allem die kleinen Kauri-Muscheln (oft sogar noch intakt) haben es mir angetan.

Nächster Stopp war im Jinshan District, wo wir zunächst in einem kleinen Straßenrand-Restaurant zu Mittag aßen (Milchfisch… zu fettig für mich, aber Y hat mich ermutigt, dass Fischfette sehr gesund seien, also hab ich natürlich tapfer aufgegessen), bevor wir unseren Weg zur lokalen “Jinshan Old Street” fanden. Dort fand ich Mungbohnen-Küchlein und Weiße-Bohnen-Küchlein zu kaufen, außen ein vielschichtiger Teig (wie Blätterteig aber mehr weich als spröde) und innen eine helle, homogene Füllung aus Mungbohnen bzw. Weißen Bohnen. Nicht schlecht, aber ich hatte ziemlich hohe Erwartungen and diesen Snack, den ich als Kind gerne im Asialaden gekauft habe… die wurden nicht ganz erfüllt. Einen Beutel frischer Tapiokaperlen konnte ich hier auch kaufen – die braucht man für Bubble Tea (die originale Taiwanvariante, nicht die Zuckerperlen die es mittlerweile im Westen zu kaufen gibt). Die Perlen haben gute Qualität, was heißt dass sie sehr leicht kaputt gehen und zu Mehl zerfallen, also mal schauen ob ich die unversehrt nach Hause bringe!

Durch einen Friedhof liefen wir schließlich zu unserem nächsten Ziel: Dem Shitoushan Park, ein Kap an der Nordküste, das an drei Seiten von Wasser umgeben ist und sich wunderbar für eine kleine Wanderung anbietet – wir sind

Unglamouröses Mittagessen: Fisch in Kräutersuppe, Beilagen für Y

Unglamouröses Mittagessen: Fisch in Kräutersuppe, Beilagen für Y

zwar noch sehr vorsichtig mit Y’s Fuß, aber ebene Parkwege & ein paar Treppen klappen inzwischen immerhin wieder. So wanderten wir inmitten von Bäumen und manchmal mit Ausblick und dann einige Treppen hinunter zur Küste, wo man auf (sehr griffigen) Felsklötzen herumklettern kann. Auch auf die “Zwillings-Kerzenhalter” (twin candlesticks) Felsformation hat man einen schönen Blick und das Wetter war perfekt und bescherte uns romantische Nachmittags-Abend-Sonne!

Nächster Stopp – und eigentlich Hauptziel unseres Tagestrips war eigentlich der Yeliu Geopark gewesen, als wir dort ankamen war es allerdings schon zu spät, und so machten wir uns statt dessen auf den Heimweg. Einen weiteren Stopp legten wir jedoch noch ein: Beim Keelung Nachtmarkt, eigentlich Miaokou Night Market (“Tempel-eingangs Markt) genannt da er in einer L-Formation um den lokalen Tempel gelegen ist. Sehr touristenfreundlich ist hier das meiste auch in Englisch beschriftet, und der Hauptfokus ist mal wieder: Essen! Da Keelung eine Hafenstadt ist, bietet es sich an hier Meeresfrüchte zu essen, so traute ich mich an Aal-Suppe: Schlecht war dabei zwar hauptsächlich mein Gewissen, aber auch die Suppe hat mich nicht so ganz überzeugt. Aber man darf ja auch mal daneben liegen… Umso besser waren dafür die frittierten Nudeln, mit Soße und Knoblauch natürlich.

Auf dem Weg zum Bus noch kurz dem Hafen einen Besuch abgestattet und ein riesiges Schiff bestaunt, und schon ist ein weiterer, ereignisreicher Tag zu Ende!

Friedhof mit Aussicht...

Friedhof mit Aussicht…

...und Aussicht ohne Friedhof.

…und Aussicht ohne Friedhof.

Ziemlich coole Felsen, Klettern erlaubt!

Ziemlich coole Felsen, Klettern erlaubt!

Kontrastprogramm: Keelung in der Nacht, Nahe des Hafens.

Kontrastprogramm: Keelung in der Nacht, Nahe des Hafens.

Mal wieder ein Essens-post: Einmal waren wir ja schon beim all you can eat, aber diesmal gab es ein vegetarisches All you can Eat zum Mittagessen. Jeder der behauptet dass vegetarisch langweilig wäre oder es nichts ordentliches zu Essen gibt, geht jetzt bitte einmal eine Runde in die Ecke und schämt sich. Oder noch besser: Liest bitte weiter und ändert vielleicht seine oder ihre Meinung!

Am Salatbuffet gab es wieder meinen neuen Lieblings-Salat, Sukkulenten! Dazu noch diverse Sprossen und andere grüne Sachen die ich nicht wirklich kenne, Kapern, Oliven und Saaten für obendrauf und eine Vielzahl an Dressings.

Marinierte Rettichstreifen, Sesam-Tofu (?), Tee-Jelly, Käseball, Sukkulenten-Salat, ...

Marinierte Rettichstreifen, Sesam-Tofu (?), Tee-Jelly, Käseball, Sukkulenten-Salat, …

Neben dem Salatbuffet (und dem von den meisten ignorierten Toast/Brot/etc Buffet) gab es allerlei gedämpfte, gebratene, gekochte Sachen, Suppen, Käsebällchen, Sesamsauce, viele traditionelle Spezialitäten die sonst zum Beispiel (in der Fleischvariante, hier aber vegetarisch) nur zu bestimmten Anlässen wie Hochzeiten gegessen werden. Einige Gerichte wurden in kleinen Schüsseln direkt aus dem Dämpftopf angeboten, mit einem speziellen Gabel-Greif-Ding… welches alle außer mir problemlos bedienen konnten. Ich glaube, das hat den Koch amüsiert!

Eine „europäische“ (oder einfach westliche) Ecke gab’s auch, so weiß ich nun dass Y ganz begeistert von Trüffel-Pasta ist. Ich hab mich an der Guacamole versucht, die war (wie so vieles hier) aber etwas süßer und auch schwerer/cremiger als ich erwartet hatte – ich frage mich, was da reingemischt wurde…
Zum ersten mal in meinem Taiwan-Aufenthalt fand ich auch die Geschmacksrichtung „süß-sauer“, ähnlich wie man sie in Deutschland in jedem China-Restaurant findet. Kombiniert mit Gluten-Stückchen (oder so).

Kalte Getränke gab es auch viele, von Säften über Tees und sogar „Gemischte Nussmilch“. Auch Kaffee und Nachspeisen gab es natürlich wieder zahlreiche: Mein persönliches Highlight war die Gebackene Grapefruit mit karamellisiertem Zucker oben drauf. Aber auch der Rest war nicht schlecht, von Fruchtjoghurt über Panna Cotta, Schwarzwälder Kirschtorte (!), Mousse, Tarts und Törtchen, Biscuitröllchen… Ganz besonders erfreut war ich aber über das Obst-Buffet: All I can eat Passionsfrüchte!!! Und auch die Ananas war supertoll: Schmeckte wie gute, hochqualitative Ananas, aber selbst wenn man mehr als 2 Stücke isst, gab es kein komisches Gefühl im Mund wie das so oft bei Ananas der Fall ist.

Die Hälfte der Fotos stammt diesmal übrigens von Y, da ich zu sehr mit Essen beschäftigt war…

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Da Y und ich beide Pilz-Fan sind, entschieden wir uns für einen weiteren Trip zum lokalen Markt, um diverse frische Pilze zu erstehen, und außerdem noch frisches Obst und frische Sojamilch. So frisch sogar, dass sie einfach nur in Plastiktüten abgefüllt herumstand – hier hat man in Plastiktüten großes Vertrauen! Vorsichtshalber kommt die Plastiktüte aber dann nochmal in eine weitere Plastiktüte…
Aber zurück zu den Pilzen:
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Bevor’s die Pilze zu Essen gab, brachen wir allerdings zu einem weiteren Halbtagstrip auf: Zum sogenannten “super awesome temple” (Supertoller Tempel), wie Y ihn nennt, im Sanxia District. Dafür erstmal per Zug nach Yinge, nach etwas Verwirrung und mithilfe von Leuten mit mehr Ahnung als uns und einem freundlichen Busfahrer der uns bei der richtigen Haltestelle rausschmiss, fanden wir tatsächlich unseren Weg zur Old Street (“alten Straße”) und dem Sanxia Zushi Temple (清水祖師廟).
Y’s Titel “super awesome temple” trifft es durchaus ganz gut – wahnsinnig detailliert, viele Stein-Reliefs und Schnitzereien… designed wurde der Tempel bzw seine aktuelle Rekonstruktion vom Maler Li Mei-shu.

Von einem netten Herren lernten wir auch, dass Tempel-Teile (Säulen etc) oftmals in China gekauft wurden, um Handelsschiffen auf dem Rückweg von China nach Taiwan als Ballast zu dienen. Einige Teile scheinen auch von Firmen gesponsort zu sein, so befinden sich auf der Rückseite noch einige leere Steintafeln mit Namensplakette, die darauf warten, gemeißelt zu werden.

Viele Fotos und viel Staunen später beschlossen wir noch über die nahegelegene Brücke zu laufen und auch der Old Street noch einen ausführlicheren Besuch abzustatten.

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Dämmerung in der Old Street.

Die Old Street ist, wie der Name schon sagt, gesäumt von verschiedenen alten Häusern, roten Laternen (wie könnte es auch anders sein), einem Tempeleingang in der Mitte (mit Neonblinkender Verzierung). Die Geschäfte sind ein bunter Mix aus Handgefertigten Souvenirs, Essen, Kalligrafie-pinseln und mehr, insgesamt machen die meisten Sachen einen hochwertigeren Eindruck als der Standard Touristen-Kram.

Mit dem Bus ging’s wieder nach Hause & endlich war’s Zeit, den Pilz-Topf zu kochen!

 

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Der Sanxia Zushi Tempel.

Der Sanxia Zushi Tempel.

Wenn man kein Stativ hat, muss man sich eben anders zu helfen wissen:

Mochi-Stativ.

Mochi-Stativ.

Jiufen ist eine gut 2 Zug-Stunden östlich von Taipei gelegene Bergstadt: Heutzutage hauptsächlich berühmt für ihre Teehäuser und die tolle Lage in den Bergen mit Aussicht auf bewaldete Landschaft und Meer.

Links, rechts, geradeaus? In Jiufen.

Links, rechts, geradeaus? In Jiufen.

Auch die Ähnlichkeit zu einigen Sets im Ghibli Anime “Chihiro’s Reise ins Zauberland” und der Erfolg eines taiwanischen Spielfilmes mit Drehort in Jiufen zieht heutzutage besonders viele Touristen an, die sich alle im Dorf-Zentrum mit engen und teils steilen Gassen voller Souvenirläden, Essensstäden und Teehäusern tummeln.

Y und ich wählten jedoch einen etwas ungewöhnlicheren Pfad: Bei der ersten Gelegenheit, den “Touristenpfad” zu verlassen, taten wir genau das: In eine Nebengasse abgetaucht, schaut die Stadt gleich ganz anders aus: An den Hang gebaute kleine Häuser, teils sehr alt, teils leer und verfallen, verwinkelte Gassen, viele Treppen, alle paar Meter muss man von neuem entscheiden: Links, Rechts, rauf, runter, horizontal, Treppchen, Gässchen, …? Egal welche Wahl man trifft, man findet garantiert interessante neue Häuschen und Gärtchen und manchmal einen tollen Ausblick auf Berg und Meer und den am Berg nebenan gelegenen Friedhof. Manchmal fühlt man sich ein bisschen, als würde man durch anderer Leute Vorgärten laufen, und vielleicht tut man das auch – aber im Endeffekt scheinen es doch alles Straßen (Sträßchen?) zu sein, denn hin und wieder ist eines der Häuser eine Jugendherberge!

Nach einer Weile “verloren gehen” fanden wir den Weg zurück zu den Touristen-Gassen: Nicht zu verfehlen wenn man nur dem Geruch von Stink-Tofu, Frittiertem, Gedämpftem,

Touristisch!

Touristisch!

Mandelmilch und mehr folgt! Natürlich ist alles wunderhübsch geschmückt mit roten Laternen, die gegen Abend dann auch noch schön atmosphärisch leuchten. Für uns gab’s Stink-Tofu (dem Namen trotzend ist der eigentlich ziemlich gut…), gegrillten Pilz, vegetarische “Fisch”klößchensuppe, Maracuja-Bubble-Tea, und Mix-Bohnen Suppe (süß) mit verschiedenfarbigen Taro-bällchen (weiche, leckere Stärkeknödelchen), welche in der Jiufen Region als “must try” gelten.

Durch ein bisschen Glück und ein bisschen Geschick fanden wir ein Teehaus in dem wir ganz privat im 3. Stock mit offenem Fenster den Blick über Berg und Tal und Meer genießen konnten, natürlich bei einer Kanne frisch und selbst zubereitetem Tee (gut qualitativen grünen Tee kann man mehrfach aufgießen – so hat man immer ganz frischen, tollen Tee).

Per Bus ging’s dann schließlich wieder zurück nach Taipei.

Tee mit Ausblick.

Tee mit Ausblick.

Aus familiären Gründen fuhren wir nach Nantou,

Lam Tin College (Tempel)

Lam Tin College (Tempel)

eine etwas weiter südlich gelegene Stadt, wo ich alleine ein bisschen auf Entdeckungsreise ging: So fand ich meinen Weg zum “Lam Tin College” (藍田書院), welches überhaupt kein College ist, sondern ein Tempel: Früher ging man in Tempeln “zur Schule”, so ist diese Bedeutung wohl irgendwo in der Übersetzung hängen geblieben.

Y und ich bekamen auch die Gelegenheit, einen Orangenhain… oder eher “Orangenhang” einige Autominuten außerhalb der Stadt zu besuchen, wo wir Orangen und Mandarinen (und ähnliches) frisch vom Baum essen und ein bisschen herumwandern durften. Wirklich gut im Freien zu essen ist nur die eine, recht grün aussehende Mandarinen-Sorte, der rest lässt sich nur sehr schwer ohne Werkzeug schälen. Geschmeckt haben sie aber alle sehr gut!
Zum Abschied bekamen wir noch zwei Zweige mit Mandarinen geschenkt, und einige reife Bananen, ebenfalls eigene Ernte. Sehr lecker!

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