Letzter Post zum Thema Islandurlaub (2014): Eine kleine Ansammlung von Details und Unterschieden die mir erwähnenswert oder sonstig interessant erscheinen.

  • Diebstahl scheint hier nicht wirklich ein Problem zu sein (außer vielleicht in Reykjavik). Man setzt auf die Ehrlichkeit der Leute: In Hostels ist die Lage sehr entspannt, keine angeketteten Gerätschaften oder Verkaufswaren. In nicht-besetzten Kirchen- oder Museums-Shops stehen Spardosen zum Geld einwerfen für zB Postkarten. Klos in der Natur bitten um Bezahlung, die einfach in einem Joghurtbecher gesammelt werden. Kontrolliert oder abgesperrt wird sehr selten etwas, selbst wenn Dinge (wie Klo benutzen) etwas kosten. Vermittelt mir ein sehr positives Gefühl, so viel Vertrauen entgegen gebracht zu bekommen. Ist man nicht von überall so gewöhnt.
  • Hostels sind zumeist genial ausgestattet: Super Kücheneinrichtung, ein funktionierendes „Free food“ System und sehr gutes, kostenloses Wi-Fi. Wobei ich mir Camping (Zelt) hier auch gut vorstellen könnte – freies Campen ist in den meisten Fällen überall erlaubt (außer in Parks), ansonsten gibts für eine geringe Gebühr auch Campingplätze. Das Wetter und die Temperaturen hätten das eigentlich zur idealen Budget-Lösung gemacht.
  • Lichterketten gibts hier nicht nur an Weihnachten, sondern scheinen auch so als Dekoration beliebt zu sein (zB um Baumstämme gewickelt). Könnte was mit der Winterdunkelheit zu tun haben. Ich persönlich bin ja sowieso Fan von Lichterketten als Deko, nicht nur zu Weihnachten!
  • KEIN Müll am Straßenrand: nicht an Parkplätzen, nicht an den Straßen, nicht bei Touristenattraktionen. Und das obwohl es sehr wenige Mülleimer gibt. In den meisten Hostels (mit ausnahmen) gibts eine wahnsinnige Mülltrennung – bis zu 10 verschiedene Trennmöglichkeiten! Inwiefern das an der Hostel-Kette oder der Mentalität liegt, ist schwer zu sagen – aber auf Umweltschutz wird hier wohl allgemein viel wert gelegt.
  • Sehr viele Wege sind nicht abgesperrt, und selbst an hochtouristischen Orten gibt es meist zwar befestigte Wege und Geländer, aber auch immer Orte an denen man sich „frei“ bewegen darf – trotz Klippen, Absturzgefahr und ähnlichem. Man wird auf die Gefahr hingewiesen, und wird dann selbst vor die Wahl gestellt wie man sich verhalten möchte. Absperrungen sind, wenn vorhanden, meist zum Schutz von Flora und Fauna und auch als solche gekennzeichnet (was dann auch von den meisten Besuchern akzeptiert wird). Finde ich gut!
  • Bäcker oder gar Metzger sind hier kaum bis nicht zu finden – und wenn dann eher Richtung Reykjavik. In einem Hostel gab es frisch gebackenes Brot – vielleicht ist das selbermachen hier üblicher als anderswo? In Supermärkten gibt es jedoch manchmal quasi-frisch gebackenes Baguette etc in den Regalen.
  • Das Angebot im Supermarkt ist natürlich größtenteils bekannt, aber mit einigen interessanten Abwandlungen: In fast jedem Brotregal gibts neben den abgepackten geschnittenen oder ungeschnittenen Broten (weiches Brot mit unterschiedlichem Körnergrad, teils sehr lecker, teils nicht), und Schwarzbroten (rye bread verschiedener Sorten) auch noch diverse Fladen (flatbread) in Plastikverpackung: Manche wirken wie verkohlte, halbierte Pfannkuchen, manche sind eher dicker und süßlich, weitere Differenzen konnte ich dank mangelnder Isländischkenntnisse nicht herausfinden. Unterschiede im verwendeten Getreide oder Röstgrad vielleicht? Geschmeckt haben sie mir bisher eigentlich alle und zum mitnehmen sind sie sehr praktisch. Nette Sache.
  • Es gibt ziemlich viele aggressive Vögel (zB Küstenseeschwalbe), mit Attacken auf Köpfe von Touristen ist durchaus zu rechnen, wenn man zu nahe an ein Küken gerät. Vermutlich momentan besonders stark ausgeprägt, da momentan fast alle Tiere (Pferde, Schafe, Vögel..) Jungtiere bei sich haben. Selbst wenn man nicht direkt angegriffen wird, interagieren die Vögel manchmal sehr interessant – mit weglocken von Nestern, oder Hinlocken zu einem weiteren Artgenossen der einen dann angreift etc. Interessant!
  • Stadtnamen werden hier irgendwie unverhältnismäßig oft recycelt – das macht Orte finden oder Navi nutzen nicht gerade einfacher! Mit einer guten alten Landkarte ist navigieren aber dennoch vergleichsweise einfach.
  • Schachtelhalme sind hier sehr häufig – gefällt mir! Sehr schön anzusehen. Fast so gut wie Farne.🙂
  • Die Information, man könne hier quasi alles mit Karte zahlen stimmt durchaus. Wir haben sogar ein Karte-zahlbares Klo  gefunden!
  • Fast alle menschlichen Interaktionen, sowohl mit Einheimischen, als auch mit anderen Touristen, Hostel-Bewohnern und Hitchhikern und natürlich unseren Couchsurfing-Hosts waren durchwegs positiv. Sehr nette Unterhaltungen, und wenn man Probleme hat, welcher Art auch immer, findet man immer jemandem der einem gerne weiterhilft. So macht soziale Interaktion & Reisen Spaß!
  • Informationen als Tourist zu bekommen (Flyer, Wanderwege, Karten etc), zB in Visitor Centers ist ok, aber nicht so gut wie in Nord-Neuseeland. Selbiges gilt für die Klo-Frequenz (sorgt für extra-szenische Freiluft-Klo Erfahrungen). Die meisten Flyer sind Werbehefte von Daytrip-Anbietern, die einem natürlich keine Wanderrouten oder ähnliches empfehlen, sondern das nächste Büro zum Buchen einer Tour. Karten sind ok, für feinere Navigationen empfiehlt es sich aber dennoch eine detailliertere als die Standard-Karten mit nur den größten Stadtnamen zu suchen oder kaufen. Gleiches gilt für die Klo-Frequenz, die besten Chancen hierfür hat man entweder an den bekanntesten Touristenzielen, oder an Tankstellen. Letztere gibts wirklich überall!
  • Einen wertvollen Tip haben wir von Couchsurf-Host Oddur bekommen: Schafe an der Straße sind häufig und meist kein Problem, aber wenn sich die Lämmer auf der anderen Straßenseite als die Mutter befinden, ist Vorsicht geboten: Erste Reaktion bei Erschrecken ist „zurück zur Mama“ – auch wenn eine Straße dazwischen liegt und sich ein Auto nähert.
  • Nur noch ein Wort: …Euterhalter. Oh und noch eins: Streifenkühe!

Zum Schluss eine kleine Scherzfrage von unserem zweiten Host Haraldur:
Frage: “Was macht man, wenn man sich in einem isländischen Wald verirrt hat?“
Antwort: „Man steht einfach auf“😉

I❤ Iceland!!

 

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Nach einer etwas unruhigen und ziemlich kurzen Nacht packten wir möglichst leise unsere restlichen Sachen in Koffer und Rucksack und verzogen uns aus dem Schlafsaal, 3 Minuten Fußweg zum Flughafenbus (diesmal eine andere Buslinie – etwas billiger, dafür keine Abholung direkt am Hostel. Bei der Lage des Hostels aber absolut kein Problem). Der Transport der Leute zwischen dem Stadtzentrum oder Busbahnhof und Keflavik Flughafen ist wirklich extrem gut ausgearbeitet, kann man fast nichts falsch machen – selbst nachts um 4. Am Flughafen nach etwas Verwirrung die Gepäckaufkleber aus dem Automaten geholt, Gepäck aufgegeben, eingecheckt und noch eine Kleinigkeit zum Essen besorgt – und schon waren wir quasi wieder zu Hause.

Insgesamt war es ein sehr toller Urlaub, auch wenn nicht alle Tage perfekt nach Wunsch liefen (tun sie das je?), mit dem Wetter hatten wir insgesamt denke ich viel Glück, und ich werde auf jeden Fall wiederkommen. Es gibt noch so viel zu entdecken!!! Ich freue mich schon jetzt auf Teil 2, auch wenn der noch in unbestimmter Zukunft liegt🙂 Danke Island!

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Ich schreibe diese Worte vom Reykjavik Loft Hostel aus – in gemütlicher Atmosphäre mit richtig guter Livemusik (Gitarren- & Violine)! Reykjavik ist eine Stadt die sich wirklich jung & modern anfühlt – Lifestyle pur. Und hier (nicht nur in Reykjavik, sondern auch in den anderen Orten an denen wir waren) gibt es irgendwie überdurchschnittlich viele gut aussehende Menschen. Und ganz viele Männer mit ganz ganz tollen Bärten!😀 Aber von Anfang an:
Nach einem kleinen Frühstück bei Haraldur brachen wir auf als er sich auf den Weg zur Arbeit machte. Für den Tag war Regen vorhergesagt und das Wetter hielt sich auch daran – war aber erstmal kein größeres Problem, da wir sowieso eine Autofahrt geplant hatten, nach Reykholt (die Tour die wir am Anfang der Reise nicht mehr geschafft hatten). Auf dem Weg dorthin lernten wir auch gleich den Maut-Tunnel kennen. Vor Ort besuchten wir das Snorri-Museum, das gleichzeitig eine Kirche beinhaltet, wie die anderen Kirchen die wir bisher gesehen hatten schlicht, aber schön. Hinter dem Museum gabs noch einen rekonstruierten Heiße-OLYMPUS DIGITAL CAMERAQuelle-Pool zu besichtigen (allerdings leider nicht zum Baden). Auch sonst war hier wieder ein wenig Geothermie zu bestaunen, heiße Flüsslein am Straßenrand, ein heißer Teich mit grünem Algenteppich usw. Da das Wetter immernoch regnerisch waren gabs Mittagessen im Auto & wir fuhren noch ein Stück weiter, um Lavahöhlen zu besichtigen: Leider hatten wir die Mittags-Tour gerade verpasst, und auf die nächste zu warten wäre sich zeitmäßig nicht ausgegangen, da wir bis zum Abend wieder zurück in Reykjavik sein wollten. So verpassten wir leider, eine der größten Lavahölen der Welt zu sehen (Viðgelmir), ohne Führung darf man nicht hinein, da sie unter Naturschutz steht. Schade!
So machten wir uns also auf den Rückweg nach Reykjavik, um dort unsere letzte (helle) Nacht in Island zu verbringen. Also im Hostel eingecheckt, Gepäck verstaut, Auto vollgetankt & abgeliefert und noch ein paar Besorgungen in der Stadt erledigt. Ich hätte mir gerne eine Outdoor- oder Indoorjacke von IceWear gekauft, aber irgendwie scheint kein einziger Laden in ganz Island meine Größe & gewünschtes Modell/Farbe auf Lager zu haben. Schade!
Zum Abschluss des Urlaubs beschlossen wir traditionell isländisch im „Restaurant/Café Loki“ essen zu gehen, nach einer kurzen Wartezeit an der Tür bekamen wir auch schnell einen Platz zugewiesen. F entschied sich für eine Fleischsuppe mit geräuchertem Lamm auf Flatbread und dazu Früchtetee, während ich ein Stück „Trout“ Torte mit Salat und das hauseigene rye bread Eis versuchte. Zwar hatte ich beim Bestellen eine Tarte und keine Torte erwartet (Fischtorte? Kam mir gar nicht in den Sinn!), aber geschmeckt hat es hervorragend! Wenn auch ein wenig schwer, beim nachkochen würde ich wohl etwas weniger Sahne/Majonaise und mehr Frischkäse verwenden. Auch das Eis war (im wahrsten Sinne des Wortes) ziemlich cool, wenn auch ewas süß. Wer hätte gedacht, dass man aus (süßlichem) Roggenbrot ein gutes Eis zaubern kann? Den Gammelhai den es ebenfalls zu bestellen gab hebe ich mir für den nächsten Islandbesuch auf, oder so…!
Nachdem wir für den Abflug am nächsten Tag alles vorbereitet hatten (Busticket gelöst, Online-checkin, Taschen gepackt) ließen wir den Abend in der Lounge des Hostels gemütlich ausklingen.
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Heute gings zum Reiten! F war am Anfang des Urlaubs ja bereits zweimal geritten, aber ich bisher noch nicht. Eigentlich wollten wir eine Tour bei einem der größten Reittour-Anbieter Islands machen, aber die nette Dame im Hostel in Árnes, wo wir die Nacht verbracht hatten, empfahl uns einen Hof gleich in der Nähe – und bot uns an auch gleich einen Termin auszumachen. Also spontan umdisponiert und so standen wir kurz vor 10 auf dem Steinsholt Gehöft (bzw. Bauernhof – es gab auch Milchkühe). Dort wurden wir begrüßt und bekamen je nach Reiterfahrung ein Pferd zugewiesen (ich bekam Stute Baura, siehe Foto). Und schon gings los! OLYMPUS DIGITAL CAMERA Zusammen mit unserer Führerin ritten wir also über Stock und Stein, bergauf und bergab und sogar mehrfach durch einen Fluss (!!) hindurch. Sogar im Galopp! Wobei ich persönlich den Tölt angenehmer/einfacher fand (außer geradeaus bergauf – da war der Galopp auch einfach). Danach fotografierten wir noch ein wenig die Pferde und Kühe (es gibt hier Streifenkühe) und stellten fest, dass die Kühe hier irgendwie … niedriger sind. Aber nicht dünner oder kleiner… ominös.
Als nächstes auf dem Plan stand der Besuch eines Museumsgehöfts (Þjóðveldisbær), ein nachgebauter Hof der einen Einblick in das Alltagsleben Islands im 11. Jahrhundert gibt. Der Orginal-Hof (Stöng) wurde 1104 von einem Vulkanausbruch Heklas begraben. Sehr interessant und auch von Außen ganz schön anzusehen – problematisch waren dabei nur die gefühlten hunderttausend Fliegen die einen attackieren sobald man das Auto verlässt. Zum Glück keine Stechmücken, aber trotzdem sehr unangenehm da deren einziges Ziel zu sein scheint, maximal in sämtliche Körperöffnungen zu kriechen. Also wieder ins Auto gerettet und ab zur Hrunalaug Heißen Quelle, ein weiterer Geheimtipp unserer hilfreichen Hostel-Frau. Zwar verfuhren wir uns zunächst da wir verwirrt waren von der Tatsache dass es hier sämtliche Ortsnamen mehrfach gibt, aber das führte uns auf einen sehr interessanten Autofriedhof: von einem pinken Jeep mit Aufklebern bis hin zu einem Bus vollgestopft mit Metallteilen war alles dabei, idyllisch bewachsen mit Schachtelhalmen. Ziemlich cool. Schließlich fanden wir die heiße Quelle doch noch, und nach einem kurzen Mittags-Picknick zogen wir uns um & dümpelten ein wenig in den drei verfügbaren Becken. Sehr stylisch! Vor allem aber auch sehr schön warm, und auch das Wetter spielte wieder mit – nichtmal im Bikini herumlaufen war kalt oder unangenehm. Wer hätte das von Island gedacht?
Unser letzter Programmpunkt für den Tag war das Bischofstum Skálholt, die Kirche dort wurde mehrfach zerstört und neu aufgebaut, die Ausgrabungsorte vorheriger Stätten sind noch zu erkennen. Interessant fand ich auch, dass früher teilweise 1/5 von Islands Bevölkerung und 75% der Nutztiere durch Naturgewalten starben, bis überlegt wurde die gesamte Bevölkerung an einen anderen Ort umzusiedeln. Statt dessen wurden die meisten Institutionen (und damit vermutlich auch viele Leute) in Reykjavik als Zentrum verlegt.
Als nächstes steuerten wir unsere Unterkunft an, diesmal bei Couchsurfing-Host Haraldur in Selfoss: Der war auch recht leicht zu finden, und wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut. Er gab uns noch eine interessante Tour durch Selfoss und umgebende Dörfer, und zeigte uns einen weiteren riesigen Wasserfall (breit & sehr viel Wasser). Dann zeigte er uns noch die Filmlocation eines Nazi-Zombi-Films in der Nähe, und eine kleine Höhle direkt bei Selfoss, in der man Lagerfeuer machen und beisammensitzen kann. So viele schöne kleine Details hier in Island die man so leicht verpassen kann!

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Die Nacht hatten wir wieder in Vík verbracht, diesmal jedoch nicht im Campinganhänger, sondern in einem Schlafsaal. In der Früh gönnten wir uns das göttliche Frühstück – so lecker! Nochmal das Auto vollgetankt und los gings zum ersten Ziel des Tages: Ein Wasserfall (was sonst) namens Skógafoss. Auf dem Weg rettete F noch ein Vogelbaby von der Straße – es war etwas desorientiert und wäre schon fast von dem Auto vor uns überrollt worden (aber nur fast). Man sieht hier nur wenige tote Tiere am Straßenrand, dafür umso mehr lebendige (Schafe, Lämmer, Vögel, Kühe..), die Menschen scheinen hier sehr rücksichtsvoll zu sein.
Der Skógafoss ist ein Wasserfall der klassischen Sorte – wirft sich, am Morgen teilweise von Sonne beschienen, majestätisch über die Klippen in die Tiefe, und produziert ganz nebenbei noch einen wunderschönen Doppelregenbogen. Nicht nur von unten kann man ihn sich ansehen, sondern auch auf mittlere Höhe klettern (Absturzgefahr!), und schließlich auch ganz nach oben. Die SonneOLYMPUS DIGITAL CAMERA meinte es erneut gut mit uns – strahlender Sonnenschein, der die Landschaft, den Wasserfall und die Natur so brillant aussehen lässt dass nichtmal ich etwas gegen die Helligkeit auszusetzen habe🙂 Eine kleine Treppe half uns noch über einen nahen Weidezaun, so dass wir dem Fluss noch ein Stück aufwärts folgen konnten – obwohl dieser Teil schon längst nicht mehr zur „Hauptattraktion“ gehört, ist er dennoch absolut sehenswert – viele Meter breit bahnt sich der Fluss seinen Weg durch zerklüftete Felsen. An anderer Stelle wäre das eine Hauptattraktion für sich!
Da wir für den Tag noch weitere Dinge geplant hatten, machten wir schließlich kehrt und steuerten unser nächstes Ziel an: eine mitten in den Bergen gelegene warme Quelle, bzw. eine Art Schwimmbecken mit warmen bis heißem Wasser, das dort überall vom Berg kommt – und zwar schon bald 100 Jahre alt. Erhalten wird es von Freiwilligen, kein Eintritt oder ähnliches! Gefunden hatten wir die Stelle relativ schnell, zuerst mit Auto und schließlich noch ein Stück zu Fuß. Ich bin ja nicht gerade bekannt für meine Wasseraffinität, aber mit dem Ausblick, bei dem Wetter, in dem Wasser, das war wirklich toll!!🙂 Nachdem wir etwas im warmen Becken herumgedümpelt waren zogen wir uns wieder an und folgen dem Wanderweg noch ein Stück weiter. Heißes und teils schon fast kochendes Wasser läuft dort noch häufiger die Felsen hinab, welche von einer dicken bunten Algenschicht bewachsen sind. Dem Pfad weiter zu folgen lohnte sich, der Blick in die Berge war atemberaubend – kein Foto kann wirklich festhalten, wie es sich anfühlt, umgeben von solch riesigen zerklüfteten Bergen zu stehen. Der Weg wäre noch weiter gegangen, allerdings zunehmend knapper am Abgrund bzw. relativ unbefestigt, daher wollten wir ihm ausgestattet mit unseren Badesachen und Kameras um den Hals lieber nicht weiter folgen (leider – was wäre wohl ums nächste Eck noch für tolle Aussicht gekommen? Und ums nächste?… ). Rauf wäre ja meistens kein größeres Problem, wenn der Untergrund einigermaßen griffig ist und man etwas aufpasst – aber man muss das ganze ja irgendwie auch hinterher wieder runter kommen, und der Abhang nebenan war schon nicht ohne! Also zurück zum Auto und auf in Richtung unseres nächsten Ziels: Dem Nationalpark Þórsmörk.
tag8_4Das hieß wieder etwas Schotterstraße zu fahren … und schon standen wir auch schon vor einer Furt! Im Gegensatz zu der vor Landmannalaugar sah die jedoch nicht so dramatisch aus (keine unberechenbar großen Steinbrocken und nicht bodenlos tief), und so schafften wir es auch problemlos auf die andere Seite. Ein wenig einschüchternd war zwar zu sehen was uns alles für riesige Autos überholten bzw. entgegen kamen: Riesige Räder, meist mit Anhänger – was wollen die nur alle da hinten? Unbeirrt folgten wir jedoch weiter den Schildern „Location“ – schließlich stand auch auf unserer Karte ein schöner Aussichtspunkt eingezeichnet. Auch das Schild „base camp“ klang gut – bestimmt eine Art camp wie in Landmannalaugar, wo von einem base camp aus sämtliche Wanderwege und Anfahrtsstraßen zusammenlaufen. Ungefähr 14 Furten später dämmerte es uns, als wir einen Haufen Lastwägen und sonstige Fahrzeuge herumstehen sahen – direkt vor einem Wahnsinns-Gletscher! – dass „location“ wohl eher „Drehort“ als „Aussichtspunkt“ bedeutet. Da wir aber nun schon fast vor einem Gletscher standen, und ich noch etwas geknickt davon war dass wir keine Gelegenheit für eine Gletschertour hatten, beschlossen wir zumindest so nahe wie möglich zu ihm zu fahren. Da wir jedoch ungern vor laufende Kameras platzen wollten, hielten wir einen der vom „base camp“ kommenden Trucks an und fragten ob wir stören würden – alles kein Problem so lange wir Vierradantrieb hätten! Also die letzte Furt passiert und am Ende der Straße – abseits des „base camps“ geparkt und zu Fuß weiter. Schon wieder ein Wasser-Abenteuer für mich: die letzten Arme des Gletscherflusses mussten mit balancieren und hüpfen passiert werden, aber was tut man nicht alles, um einem Gletscher nahe sein zu können? Endlich waren wir auf der anderen Seite angekommen (trocken!) und konnten den Gígjökull anfassen!🙂 Gerne wären wir dem Gletscherfluss in den Gletscher hinein gefolgt, aber dazu ist vermutlich eine bessere Ausrüstung und etwas mehr know-how angemessen. Also Gletscher gestreichelt, Gletscher getrunken, Gletscher fotografiert und zurück zum Auto. Wikipedia weiß übrigens interessante Sachen zum Thema Gígjökull:

„Gígur ist das isländische Wort für Krater. Der steile und zerklüftete Auslassgletscher reicht circa 1200 Meter ins Tal des Markarfljót hinunter. Der Gígjökull hat am Talboden hohe Moränen aufgeschoben. Durch Abschmelzen der Eismassen hatte sich ein Gletschersee gebildet, genannt Lónið. Bei dem Vulkanausbruch im April 2010 wurde der Gletschersee durch Vulkanasche und Sedimente vollständig aufgefüllt und verschwand.“

Also quasi eine total neue Attraktion – und von uns quasi zufällig entdeckt! Einige Touristen wurden mit Jeeps und Hochrad-Bussen ein Stück weiter gekarrt und auf einer Bergkuppe abgestellt, entweder für den Blick auf den Gletscher, oder auf den nicht mehr vorhandenen Gletschersee, oder irgendwas in die andere Richtung. Den geplanten Aussichtspunkt bzw die Gegend des Þórsmörk Nationalparks erreichten wir somit zwar nicht mehr, aber unser Gletscher-Abenteuer war das mehr als wert! Very happy Lyra!!!😀

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Für heute war Landmannalaugar geplant: eines der nicht-so-einfach erreichbaren, aber wohl sehr schönen Ziele mit sehr bunten Bergen (gelb und so) und Wandermöglichkeit. Das Wetter war meistens vergleichsweise trocken, wenn auch eher grau, aber das kann sich hier ja ständig ändern – also kein größeres Problem. Der Weg führt über unbefestigte aber gut befahrbare Schotterstraße, die erste Gelegenheit wo unser Vierradantrieb von Nöten war (F208, da wir gelesen hatten, dass dies der einfachste Zugang sei): durch die bereits bekannten moosüberwachsenen Lavafelder, und auch durch grüne Hügellandschaft und vorbei an einzelnen Pferde-Herden, bis man sich schließlich immer höher in die Berge schraubt. Den ersten Campingplatz erreichten wir ohne größere Probleme, danach kam jedoch die erste gefürchtete Furt und somit auch das Ende unserer Tour – vermutlich wäre sie heute (mit recht wenig Regen an den Tagen zuvor) zwar mit unserem Auto passierbar gewesen, aber da wir keinerlei Erfahrung mit Autos in Wasser versenken hatten und wir bzw. F die Strecke am gleichen Tag wieder zurück fahren mussten, entschieden wir uns statt dessen umzukehren. Sehr schade – vielleicht nächstes mal? Etwas geknickt machten wir uns auf die Suche nach einem Alternativziel und besuchten die Basaltsäulen und -höhlen am Reynir Strand, zu dem wir auch gleich zwei weitere nette hitchhiker mitnahmen. Von ihnen lernten wir dass Reisen per Anhalter wohl recht einfach sei, nur Landmannalaugar hatte bei ihnen bisher ebenfalls nicht geklappt (zu früh in der Saison unterwegs vermutlich). Da die beiden allerdings länger unterwegs sind werden sie es wohl nochmal versuchen.
Der Strand von Reynir war sehr schön, es gibt schon sehr seltsam anmutende Steinstrukturen!
Inzwischen habe ich mich übrigens schon fast an die Dauer-Helligkeit gewöhnt, man verdunkelt schon ganz routiniert am Abend das Fenster zum Schlafen. Ein bisschen ‚echte‘ Nacht würde ich aber vielleicht dennoch gerne noch sehen. Vielleicht stelle ich mir mal den Wecker wenn wir nicht gerade in einem voll besetzten Schlafsaal liegen…

PS. Wenn ihr euch wundert warum ich die Hauptattraktionen nur selten auf den Fotos zeige: Die gibts wie üblich in einer Live Bildershow für Interessenten, will ja hier nicht alles vorweg nehmen😉

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Mein neues Wissen über Milchprodukte in Island rettete mir direkt den Morgen: Bei dem Wahnsinns-Frühstücksbuffet im Hostel (mit frischer Räucherforelle, Löwenzahn-Sirup (und weiteren Sirups), frischen Waffeln, noch warmem Brot, Eiern der hauseigenen Hühner…) wusste ich direkt, dass ich mir die ab-Milch lieber nicht in den Tee gieße. Gestärkt fuhren wir erstmal an den nahe gelegenen Strand (und das „Deutsche Gedankmahl“ – ja, so war’s geschrieben). Schwarzer Strand, Sonnenschein, schön (und gleichOLYMPUS DIGITAL CAMERA Sand eingesammelt)! Auch der Strand und der Ausblick von Dyrhólaey („Türlochinsel“) ist sehr hübsch. Der Name rührt von einer speziellen Felsformation her, die – wie der Name sagt – ein Loch bildet. Coolerweise kann man diese Felsformation sogar besteigen –   trotz heftiger Windböen und ohne jegliche Absperrung. Man wird lediglich gebeten, in der Umgebung an einigen Stellen auf Vegetation und Vögel Rücksicht zu nehmen. Sehr spannend, und nichts was ich an touristischen Orten gewöhnt ist. Ich kann stolz von mir behaupten, nicht abgestürzt zu sein, obwohl ich diesmal ganz ohne mich vom Klippenrand wegziehende Geschwister unterwegs war😉 Vögel gabs einige in der Gegend – auch Puffins (Papageitaucher) waren ein paar im Flug zu sehen. Nächstes Ziel war der berühmte Gletschersee Jökulsárlón – auf dem Weg dorthin wurde das ohnehin schon gute Wetter NOCH toller und beschaffte uns einen BRILLANTEN Blick auf die GENIALE Umgebung. Das Caps-Lock ist hier absolut (!!!!) angebracht, ebenso wie eine übermäßige Verwendung von Satzzeichen und Superlativen. Ähnlich wie in Neuseeland wechselt die Umgebung innerhalb von kürzester Zeit ihr Gesicht – auf „schöne, liebe, runde Moospuschel“ folgen „dramatische, zerrüttete Moospuschel“, welche abgelöst werden von brangelblicher Hügellandschaft im Miniformat. Landschaft aus saftig grünen Grasbüscheln auf schwarzem Sandgrund geht über in ein Meer aus zartvioletten Lupinen so weit das Auge reicht… bis hin zu den riesigen, schneeüberzogenen Bergmassiven in der Ferne. Und mit „Bergmassiv“ meine ich RICHTIG massive Berge. Um nicht zu sagen Vulkane. Aber nicht nur die Felsriesen sind beeindruckend, sondern auch die unglaubliche Weite auf der anderen Seite der Straße: So weit das Auge blicken kann einfach nur flaches Land, niedrige Vegetation (oder auch nicht), vielleicht ein kleiner See am Straßenrand. Das Land und der Himmel sind so unglaublich weit, so groß und einfach nur unendlich schön. So viel Boden, so viel Himmel, so viele Wolkentürme, Wolkenfetzen, nicht enden wollendes Nichts, das gleichzeitig doch eine so starke Wirkung hat. Kurz gefasst, die Landschaft ist so schön, dass es mir die Tränen in die Augen treibt – wortwörtlich, bei meinen sonnen- und windempfindlichen Augen😉
Der Straße Nummer 1 folgend wird die Umgebung immer dramatischer: Wann immer man denkt, die Landschaft hätte jetzt bestimmt ihr Maximum an Exorbitanz erreicht, setzt sie nochmal eins drauf: aus schneebedeckten Vulkanen werden Vulkane mit Gletschern, aus Gletschern werden riesige fließende Gletschermassen, welche schließlich bis fast ans Meer reichen… und so fanden wir uns schließlich an einer riesigen Gletscherflusslagune gefüllt mit Eisbrocken wider (Jökulsárlón). Dort unternahmen wir eine Bootstour, aßen uraltes Gletschereis und besuchten den (schwarzen) Strand mit (weißen) Eisbrocken. Wahnsinn!!

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